Freundschaft

„Ein Freund, ein guter Freund das ist das Beste was es gibt auf der Welt…“




 

Ich fühle mich einsam. 

„Mit Kindern bist du niemals einsam.“

Vielleicht bin ich nicht einsam und es ist unfair denen gegenüber, die sich um mich, um uns bemühen. Ich fühle mich isoliert, einsam in meinen Gedanken, meiner Gefühlswelt. Ja, es ist ganz bestimmt unfair. Besonders V. gegenüber. 8 Wochen Familienzeit. Entlastung. Und trotzdem so viel Belastung, dass es gefühlt nicht ausreicht. Ich frage mich, wie es werden wird. In wenigen Tagen sind O., E. und ich den größten Teil des Tages auf uns gestellt. Routine finden. Den Alltag strukturieren. Pausen planen und konsequent fordern. Das alles wird nicht leicht.

Schwiegermama kann für eine Woche hochkommen und uns unterstützen. Schon kurz nach E.’s Geburt bot sie ihre Hilfe an und ja, sie war wahrscheinlich betroffen, dass wir die Unterstützung ausschlugen. Ich tue mich schwer damit, um ihre Hilfe zu bitten. Ungefragte Hilfe kann ich hingegen noch viel weniger leiden. Ich weiß nicht, woran das liegt und mir ist bewusst, dass ich ihr Unrecht tue wenn sie lediglich helfen mag und extra Urlaub nimmt.

Ich bin gereizt, reagiere zu heftig auf Kleinigkeiten und die Kleinen bekommen den Stress ungefiltert weitergeleitet. Das muss nicht sein und sollte so nicht passieren. Am Abend startet das Gedankenkarussell. Was ist eine gute Mutter? Bin ich eine gute Mutter? Was habe ich heute alles falsch gemacht? Geht es den Kleinen gut bei mir? Nehmen sie vielleicht Schaden durch den ganzen Trubel, die vielen Unsicherheiten? Werden sie später sagen, dass sie keine glückliche Kindheit hatten? Sehe ich das alles zu schwarz? Hat nicht jede Familie Zeiten, in denen sie sich neu finden muss und es erstmal im Getriebe knirscht? 

Mache ich mir zu viele Gedanken?

V. ist, während ich im Familienbett liege und dem leisen Schnarchen der Kleinen links und rechts neben mir lausche, in der Stadt und trifft sich mit seinen Jungs. Erst gestern sprach er davon, dass er wieder mehr Zeit mit seinen Freunden verbringen mag. 

Ich verstehe ihn und gleichzeitig sträubt sich alles in mir. Braucht er eine Auszeit von der Familie? Nerve ich ihn zu sehr? Nutzt er die Gelegenheit um sich mit anderen den Spaß zu holen, den er hier nicht bekommt? 

Und dann werde ich traurig. Weil ich keine „Jungs“ habe, die nachfragen und mich bitten den Abend mit ihnen in der Kneipe, beim Pokern oder sonst wo zu verbringen. Da ist niemand, der beharrlich nervt und sich in Erinnerung ruft, weil wir uns schon länger nicht gesehen haben. Weil wir einfach mal wieder Spaß haben sollten, quatschen über Vergangenes und Zukünftiges.

Ja, ich kenne einige Mamis und wir verbringen dann und wann einen Nachmittag zusammen und haben ein paar ruhige Stunden zwischen Kinderlachen, Kuchenkrümeln, laufenden Nasen und vollen Windeln.

Ist das das Gleiche wie V. und seine Jungs? Muss ich mit Einnistung der Eizelle automatisch diese Abstriche machen und mich einfach nur in meiner neuen Rolle zurechtfinden? Ja, ich liebe meine Kinder und ich mag auch diese Nachmittage. Aber wo sind die Stunden, in denen ich einfach ich bin? In denen ich nicht auf die Uhr schauen muss, weil es gleich Abendbrot gibt und zwischen 6 und 8 die Kleinen ins Bett gebracht werden müssen? 
Ich wäre gerne unbeschwert. Ja, vielleicht ist es das. Unbeschwert ist allerdings die nächsten Jahre aus. Ich muss das noch lernen und wahrscheinlich ist das die härteste Lektion in meinem Leben.

Trotzdem vermisse ich alte Freunde. Die, die sich aus meinem Leben schlichen, weil es nicht zu ihnen passt und wir zu verschieden sind. Weil sie noch nicht bereit sind für die härteste Lektion und die größte Liebe.
Es werden andere Freunde kommen und es wird eine Zeit kommen, in der ich gelernt habe mit dem neuen Leben klar zu kommen. Gelernt habe, nicht eifersüchtig auf den Mann zu sein, auf seine Freiheiten, seine Freunde, seinen Job und ja auch seinen Unbekümmertheit und Naivität.
Bis dahin liege ich im Familienbett, mitten im größten Familienglück und warte auf neue Freunde und auf eine Portion Geduld und Gelassenheit.

Advertisements

1 Kommentar zu „Freundschaft

  1. Warte nicht. Du hast es in der Hand. Du kannst dir ein Stück Freiheit wiederholen. Das, was ihm zusteht, steht dir auch zu. Vielleicht findest du ein Hobby, einen bestimmten Sportkurs zum Beispiel. Lernst dort nette Mädels kennen, mit denen du dich auch privat treffen möchtest, weil ihr auf einer Wellenlänge schwimmt. Hast deine kleine Auszeit, Unbeschwertheit, Freiheit. Alles möglich. Aber durch handeln, nicht durch warten.

    Ich wünsche dir ein glückliches neues Jahr, in dem du viele Bedürfnisse und Sehnsüchte von dir stillst.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close